Yashica T3 – Robocop mit inneren Werten

Yashica T3 Kompaktkamera Edelkompakte Illustration Analog

Die Yashica T3 ist schon eine kleine Kultkamera! In diesem Artikel möchte ich sie dir in allen Einzelheiten vorstellen. Was sind die technischen Details? Was zeichnet sie aus? Wo liegen ihre Schwächen? Wo kann man sie kaufen? Beispielbilder und weiterführende Links (z.B. Bedienungsanleitung) dürfen natürlich auch nicht fehlen!

Aber sei gewarnt! Es besteht die Möglichkeit, dass du anschließend auch eine haben möchtest!

 

Yashica T3 Front Ansicht
Das Design der Yashica erinnert mich immer an Robocop

The Old Man: „Nice shootin‘, son. What’s your name?“

RoboCop: „Yashica T3.“

Vielleicht ein Zitat aus dem Film Robocop von 1987

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Meine Geschichte mit der Yashica T3

Das erste Mal begegnete ich dieser kleinen Point &Shoot-Kompaktkamera auf einem Flohmarkt vor ungefähr 5 Jahren, zu einer Zeit, in welcher ich gerade erst anfing mich für die Welt der analogen Kameras zu interessieren. Damals wusste ich noch gar nicht, was ich da eigentlich in den Händen hielt! Es grenzt schon an ein Wunder, aber ich entschied mich trotz ihrer Hässlichkeit dafür, sie zu erwerben. Leider weiß ich den genauen Preis nicht mehr, aber viel bezahlt habe ich nicht, definitiv waren es unter 10 Euro.

Zuhause angekommen recherchierte ich ein wenig – erst da wurde mir bewusst, was ich eigentlich gekauft hatte. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine andere hochwertige Kompaktkamera besaß, wurde die Yashica T3 von da an zu meinem ständigen Begleiter und ich habe wirklich viel mit ihr erlebt! Auf einem Festival ließ ich sie mal nachts auf einer Tanzfläche zurück – zum Glück lag sie da noch, als mir erst einige Zeit später der Verlust auffiel. Belohnt wurde ich auch noch mit einer ganzen Reihe Fotos, die andere Festivalgänger von sich mit der Kamera gemacht hatten – um sie anschließend an die Stelle zurückzulegen, wo ich sie zurückgelassen hatte. Ich war begeistert!

Leider sollte unsere Liebesgeschichte schon nach etwa einem Jahr ihr jähes Ende finden: auf einmal war sie weg! Das schlimmste daran war, dass ich überhaupt nicht in Zusammenhang bringen konnte, wann und wo sie mir überhaupt verloren gegangen sein könnte. Sie war einfach weg! Mein Herz blutete.

Die letzten Jahre musste ich ohne sie auskommen, und der Verlust schmerzte immer wieder in regelmäßigen Abständen. Dennoch sah ich es nicht ein, mehr als 20 Euro für die Kamera auszugeben, wo ich sie doch schon einmal so günstig erworben hatte – und auf ebay bekommt man sie leider nicht (mehr) zu dem Kurs. Ein Mal wäre ich fast schwach geworden und hatte schon bis 50 Euro mitgeboten, doch zum Glück schaltete sich rechtzeitig mein Verstand ein und ich ging nicht weiter mit! Für diese Entscheidung wurde ich ausgiebig belohnt: letzte Woche fand ich sie gleich zwei Mal auf einem Flohmarkt – am gleichen Stand auch noch – in zwei unterschiedlichen Versionen. Die T3 und die T3D. Beide zusammen habe ich für etwa 12 Euro erworben.

Sie ist nicht schön. Sie ist nicht die handlichste ihrer Klasse. Aber ich liebe sie trotzdem!

Technische Daten

  •  Yashica T3 – auch bekannt unter den Namen Kyocera T Scope
  • erschienen in drei Versionen: Yashica T3, Yashica T3D (Date), Yashica T3 Super
  • Produziert von 1988 bis 1991
  • Listenpreise bei Einführung: T3 = 375 $ / T3D = 430 $
  • Vollautomatische Kleinbild-Kompaktkamera
  • Wird zu den sogenannten „Edelkompakten“ gezählt aufgrund der guten Abbildungsleistung
  • Hergestellt in Japan
  • AF / Autofokus
  • Carl Zeiss Tessar T* (coated/mehrschichtvergütet) 35mm f/2.8 – das schnellste Objektiv in der Yashica T-Serie – das Objektiv trägt aufgrund seiner Abbildungsschärfe den Beinamen „Adlerauge“
  • ISO 64-1600
  • Verschlusszeit von 1/630 s bis 1 s
  • Auto Exposure / Belichtungsautomatik
  • Integrierter Blitz
  • Spritzwassergeschützt
  • Filmtransport durch Motor
  • Aufnahmeentfernung Tageslicht: 0,5 m bis Unendlich
  • Aufnahmeentfernung Blitz (ISO 100): 0,5 m bis 3 m
  • Schärfespeicher
  • Selbstauslöser
  • Abmessungen: 13 cm x 7 cm x 5 cm
  • Gewicht: ungefähr 300 g
  • Erkennt Film mittels DX-Codierung
  • Alleinstellungsmerkmal der T-Serie ist der Waist-Level-Finder namens N.A. Scope (N.A. = New Angle = Neuer Winkel). Einen ganz gewöhnlichen Sucher hat sie natürlich ebenfalls.
  • Batterie: 2 CR 5 6V Lithium

Eine Batterie hält übrigens meist mehrere Jahre.

Sie war auch nicht die erste Yashica Kompaktkamera, die mit einem Carl Zeiss Objektiv ausgestattet wurde, aber sie war die erste mit einem f/2.8 Carl Zeiss Tessar. Die T3 und T4 haben beide hingegen ein f/3.5 Carl Zeiss Tessar.

Ein besonderer Vorteil an ihr ist ebenfalls, dass sie sehr sauber auf Diafilm belichtet – das ist bei Kompaktkameras nicht unbedingt die Regel.

Unterschiede Yashica T3, T3D und T3 Super

  • T3 ist die Standardausführung
  • T3D hat ein Data-Rückteil, damit kann man das aktuelle Datum auf das Foto übertragen (der Zähler geht bis 2019)
  • T3 Super hat eine Serienbildfunktion (1 Bild pro Sekunde) und einen Vorblitz
Yashica T3 T3D Date Kleinbild Edelkompakte
Yashica T3 & T3D

Die große Stärke: Street Photography

Yashica T3 Street Photography

Die Yashica T3 ist eine hervorragende Street Photography Kamera , aus folgenden Gründen:

Geräuschlosigkeit

Diese Kamera gibt praktisch nie einen Mucks von sich – außer beim Filmtransport. Diesen kann man verzögern, in dem man nach Aufnahme des Motivs den Auslöser weiter gedrückt hält und erst dann wieder loslässt, wenn man sich weggedreht hat. Auch beim Anschalten der Kamera gibt es keine Geräusche – dies hat sie auch ihren Geschwistern, der T4 und T5 voraus, die beide hörbar das Objektiv ausfahren.

Das ist natürlich ein sehr großer Vorteil für jeden Street Fotografen! Man kann wunderbar verschleiern, was man gerade eigentlich fotografiert hat.

Waist-Level-Finder

Manche Besitzer der Yashica T3 sagen, sie hätten den Waist-Level-Finder namens N.A. Scope nie benutzt, ich finde aber, dass das ein tolles Feature der Kamera ist! Diese Funktion ermöglicht einem, noch unauffälliger zu fotografieren! Der empfohlene Sichtabstand beträgt mindestens 20 cm – und auch wenn die Abmessungen sehr klein sind, funktioniert es doch ganz gut. Dabei werden ungefähr 67 % des Sichtfelds abgedeckt.

Yashica T3 NA Scope Waist Level Finder Obenansicht
Mittels Waist-Level-Finder (N.A. Scope) kannst du dein Motiv anvisieren – ganz ohne durch den klassischen Sucher schauen zu müssen

Ihr Aussehen kann auch ein Vorteil sein!

Stichwort: Understatement. Ihre hässliche und nicht mehr zeitgemäße Optik sorgen dafür, dass niemand dich ernst nehmen wird, wenn du ihn mit der Kamera fotografierst. Das vermeidet Ärger! Und du weißt es besser: die inneren Werte zählen!

Spiegelreflex vs. Point & Shoot – Kompaktkamera

Natürlich ist die Yashica T3 „nur“ eine Kompaktkamera, und dazu noch eine vollautomatische, bei der man sich einfach darauf verlassen muss, dass sie einen guten Job macht – ohne dass man selbst großartig Einfluss auf die Ergebnisse hätte. Mit einer analogen Spiegelreflexkamera hat man natürlich einen viel größeren kreativen Spielraum und natürlich auch in den meisten Fällen (auch deswegen) eine bessere Abbildungsleistung. Dennoch macht die Yashica T3 ihre Sache gut. Ihr Vorteil gegenüber einer SLR-Kamera ist aber definitiv ihre Handlichkeit, Unauffälligkeit und ja, auch dass sie deinen kreativen Freiraum beschränkt, kann ein Plus sein! Wenn man keine technischen Entscheidungen mehr treffen muss, liegt der Fokus auf der Bildgestaltung und dem Motiv. Man kann viel schneller und spontaner agieren. Dementsprechend haben Point-and-Shoot Kompaktkameras defintiv ihre Berechtigung in der Welt der Fotografie. Berühmte Fotografen wie zum Beispiel Terry Richardson, der ebenfalls gerne mit der Yashica (allerdings einer T4) fotografierte, beweisen das.

(Videolänge: 53 sek)

 

Die kleinen Schwächen der Yashica T3

Nobody is perfect – auch nicht die Yashica T3!

Vignettierung

Als größtes Manko wird ihre als oft stark beschriebene Vignettierung genannt. Und es stimmt, sie vignettiert tatsächlich. Ob man das als ausgeprägte Vignettierung bezeichnen möchte, liegt dabei im Auge des Betrachters. Mich persönlich stört es nicht so sehr.

Wenige AF-Zonen

Sie hat offenbar nur 16 AF-Zonen. Viele der frühen Point-and-Shoot Kameras haben ebenfalls stufenweise fokussiert, als die Yashica T3 erschien, verfügten die meisten aber schon über mehrere hundert AF-Zonen. Sie macht ihren Job trotzdem erstaunlich gut.

Wo kann man sie kaufen?

Da sie natürlich nicht mehr hergestellt werden, kann man sie nur noch gebraucht erwerben.

Online kann man das bei ebay (hier klicken um nach Yashica T3 auf ebay zu suchen), ebay Kleinanzeigen und evtl. in Kamera-Foren.

Ansonsten bleiben einem noch Flohmärkte, allerdings habe ich unzählige Besuche gebraucht, als ich gezielt nach einer auf der Jagd war, bis ich sie endlich gefunden habe. Man muss da natürlich Glück haben. Wenn man aber geduldig ist und nicht aufgibt, wird die Suche wahrscheinlich irgendwann belohnt!

Yashica T3

Preisentwicklung

Die Yashica T-Serie hat in den letzten Jahren eine unglaubliche Preisentwicklung hingelegt. Man könnte schon sagen, dass ein kleiner Hype um diese Kameras ausgebrochen ist. Derzeit sieht es auch nicht danach aus, als ob das abreißen würde.

Vor einigen Jahren konnte man sie auf ebay noch für unter 20 Euro erstehen. Heute ist das in der Regel nicht mehr möglich. Sogar als defekt gekennzeichnete Kameras bringen meistens noch weit mehr als 20 Euro ein. Als funktionierend gekennzeichnete Kameras gehen meistens zwischen 60 Euro (wenn man viel Glück hat) bis zu 120 Euro weg (Stand Mai 2017). Es ist verrückt!

Natürlich bestimmt die Nachfrage den Preis und wenn man die Kamera wirklich unbedingt haben möchte und bereit ist, so viel Geld auszugeben sollte man zuschlagen. Wie bereits erwähnt, hätte ich es selbst auch fast getan. Doch ich bin froh, dass sich meine Geduld ausgezahlt hat und ich sie auf einem Flohmarkt viel günstiger erwerben konnte.

Weiterführende Links

David Bradford hat ein (beliebtes) Fotobuch namens „Drive-By Shootings“ veröffentlicht, alle abgebildeten Bilder wurden mit einer Yashica T4 aus einem New Yorker Taxi heraus fotografiert.

Anmerkung: Mein Freund protestierte, dass ich die Kamera durchgehend als „hässlich“ bezeichne (obwohl das laut meiner Recherchen auch die überwiegende Meinung zu sein scheint). Halten wir also an dieser Stelle fest, es gibt auch ein paar seltene Menschen, die diesen 80er-Jahre-Robocop-Look mögen. Schönheit liegt also wirklich im Auge des Betrachters.

Besitzt du auch eine Yashica aus der T-Serie? Oder möchtest du dir eine kaufen? Hast du noch Fragen, Hinweise oder Ergänzungen? Ich freue mich über Kommentare!

Analoge Kompaktkamera Kleinbildkamera Kleinbild 35mm

Lies auch meinen Artikel: Warum auch du eine analoge Kompaktkamera nutzen solltest!

 

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